Psychosoziale Probleme

Eine Parkinson-Erkrankung ist mehr als eine Bewegungsstörung und wirkt sich immer auch auf das soziale Umfeld aus. Oft geht sie mit unterschiedlichen emotionalen Beschwerden oder psychischen Störungen einher. Mich interessiert der Unterbereich (UB):

UB 1: Rückgang der Aktivitäten

Ein Verlust gewohnter Aktivitäten kann dazu führen, dass Sie allmählich immer weniger Freude empfinden, sich nach und nach aus dem sozialen Leben zurückziehen und dadurch immer niedergeschlagener werden. Es entsteht eine Abwärtsspirale, welche im Extremfall zu einer Depression führen kann (s. T4 "Depression"), Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie sich auch dann aufraffen etwas zu tun, wenn Sie eigentlich gar keine Lust dazu haben. Sonst führt es dazu, dass Sie Stück für Stück weniger unternehmen - obwohl das eine oder andere sehr wohl noch möglich wäre.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 2: Vermeiden kritischer Situationen

Ein Vermeiden von Aktivitäten, die unangenehm oder mit Peinlichkeit/ Scham besetzt sind, führt zwar zur sofortigen emotionalen Entlastung, kann aber auch schnell die Unfähigkeit nach sich ziehen, in solchen „natürlichen“ Situationen Freude zu empfinden. Außerdem verlieren Sie die Fähigkeit, sich in derartigen Situationen angemessen und kompetent zu verhalten. Da sich in „Stress-Situationen“ auch stets die Parkinsonsymptome kurzfristig verschlechtern, entsteht schnell eine "Belastungsspirale". Diese kann so stark sein, dass viele Betroffene von vornherein auf zwischenmenschliche Aktivitäten verzichten. Langfristig erhöht sich dadurch das Risiko eines depressiven Zustandes (s. T4: "Depression").

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

 

Das könnte auf mich zutreffen
UB 3: Sprechen über die Krankheit

Die Fähigkeit, auffällige, peinliche und oft auch unästhetisch wirkende Symptome in einer konkreten Situation angemessen und kurz ansprechen zu können, ist eine wesentliche Fähigkeit zum Erhalt einer hohen Lebensqualität. Sie reduziert Ängstlichkeit, Scham und Vermeidungsverhaltenweisen. Damit wirken Sie unmittelbar auf die Belastungsspirale ein (s.o. UB2 "Vermeiden kritischer Situationen"). Das „Sprechen über die Krankheit“ stellt jedoch besondere Anforderungen und muss gezielt geübt werden.

Erschwert wird das aktive Ansprechen der Symptome dadurch, dass sich die Parkinsonsymptomatik auch auf die Artikulation, die Stimme und die Mimik auswirkt. So ist die Produktion von Wörtern und Sätzen häufig vernuschelt und nur schwer zu verstehen. Die Stimme ist heiser und wenig moduliert und die erstarrte Mimik vermindert die Fähigkeit zum emotionalen Mitschwingen des Gesichtsausdrucks. Auf diese Weise fehlt eine wichtige Ebene der Kommunikation (s. T2 "Kommunikation"), denn über die nicht-sprachlichen Signale drücken wir aus, wie etwas gemeint ist. Das gilt umso mehr, wenn das zu Sagende schwierig, persönlich oder sogar ein wenig peinlich ist.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

 

Das könnte auf mich zutreffen
UB 4: Erzwungene Hilflosigkeit

Die Einschränkung eigener Freiheits- und Entscheidungsspielräume wird von Menschen auch dann mit innerem Widerstand begegnet, wenn die Hilfe/der Hinweis an sich richtig und sinnvoll ist. Diese Form des Widerstandes gegen eine erlebte Fremdbestimmtheit wird „psychologische Reaktanz“ genannt. Da Parkinson-Patienten auf Grund ihrer besonderen Symptome in ihrer Beweglichkeit oft verlangsamt sind und sich sprachlich und nicht-sprachlich oft nur eingeschränkt artikulieren können, übernehmen Andere oft Handlungen oder Entscheidungen, welche die Betroffenen eigentlich lieber selbst getroffen oder vollzogen hätten.  Angehörige neigen ebenfalls dazu, den vom Betroffenen begonnen Satz zu Ende zu sprechen oder sogar gleich für ihn zu sprechen. Dieses kann zu erheblichen „Reaktanzeffekten" führen, welche die Lebensqualität der Patienten sowie der, der Angehörigen erheblich beeinträchtigt.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 5: Verlorene Lebensziele

Sind zwei gegenläufige Lebensziele gleich stark ausgeprägt (z.B. „ich möchte mit meinem Partner jetzt tolle Reisen unternehmen" und "Nun muss ich zu Hause bleiben und mich versorgen lassen") entsteht ein innerer Spannungszustand, der schwer aufzulösen ist. Eine solche „kognitive Dissonanz“ kann ein Mensch im Allgemeinen nicht lange aushalten, ohne problematische Reaktionen zu entwickeln. Diese können kurzfristig zwar eine psychische Entlastung herbeiführen, beeinträchtigen langfristig die allgemeine Lebensqualität, die Partnerschaft und den eigenen psychischen und körperlichen Gesundheitszustand.

Auch bei Angehörigen können solche Reaktanzeffekte auftreten. Stellen Sie sich beispielsweise die folgende, sehr typische Situation vor: „Mein Partner ist krank und hilfsbedürftig“. Eine Reaktion der Angehörigen ist dann häufig: „Deshalb DARF ich mir jetzt nichts …. gönnen/unternehmen!“; „Er/sie könnte es .... ja auch nicht tun!“ Diese Haltung wirkt erst einmal moralisch korrekt, führt auf die Dauer aber zu hochgradig eingeschränkten, persönlichen Entscheidungs- und Handlungsspielräumen. Die Folgen davon sind häufig Distress, Unlust und negative Stimmung. Zudem kann es langfristig nachgewiesenermaßen zu psychischen und körperlichen Belastungen und manifesten Krankheiten kommen.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

 

Das könnte auf mich zutreffen

Kommunikation

Die Parkinson-Erkrankung wirkt sich immer auch auf die Kommunikation mit anderen aus. Das liegt unter anderem an der parkinsontypisch veränderten Mimik und des Sprechens. Wie rede ich mit anderen und wie kann ich den Gesprächen folgen? Mich interessiert:

UB 1: Andere sprechen für mich

Die Verlangsamung aller Bewegungsabläufe erstreckt sich leider auch auf die Organe der Sprechmuskulatur und des stimmlichen Ausdrucks. Deswegen wird die Sprache der Parkinsonpatienten langsamer, leiser und monotoner. Auch kann sie, besonders zum Ende eines Satzes hin, leicht vernuscheln. Im Ergebnis werden Sie schlecht verstanden. Zusätzlich kann ein Satz, ähnlich wie die Starthemmung beim Gehen, oft erst mit Verzögerung begonnen werden. Manchmal dauert es auch, bis ein Wort, ein besonderer Begriff oder ein Ausdruck gefunden wird.

Im Ergebnis werden die Angesprochenen oft ungeduldig und beenden die Sätze der Patienten. Häufig übernehmen die Angehörigen auch die Sätze der Parkinson-Patienten und sprechen für diese mit. Das wiederum führt bei den Betroffenen irgendwann zu Gefühlen der Verärgerung und Hilflosigkeit (s. T1, "Psychosoziale Probleme", T4 "Erzwungene Hilflosigkeit"). Menschen mögen es im Allgemeinen nicht, wenn andere für einen sprechen. Andererseits geht es tatsächlich schneller und eindeutiger, wenn die Anderen "helfen". Trotzdem verzagen die von einem Parkinson Betroffenen irgendwann, weshalb sich viele sprachlich zurückziehen und nur noch dann reden, wenn es unbedingt notwendig ist.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 2: Verstehen und verstanden werden

Missverständnisse gehören in der sprachlichen Kommunikation zum Alltag. "Du Erwin, es ist 12 Uhr" (Ehefrau) und "Lass' mich in Ruhe, immer machst Du die Oberschwester“ (oder: „Ich bin doch kein Kleinkind" (Ehemann und Patient) sind die Klassiker der zwischenmenschlichen Kommunikation(-sstörung) zwischen einem Betroffenen und seinen Angehörigen.

So etwas passiert allen Menschen. Beim Parkinson kommt jedoch hinzu, dass eine wichtige Quelle der zwischenmenschlichen Kommunikation nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Hierbei handelt es sich um die Mimik sowie die melodischen Besonderheiten des Sprachausdruckes. Dadurch kann nicht so gut ausgedrückt werden, wie etwas gemeint ist.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 3: Kommunikativer Rückzug

Die Fähigkeit, trotz auffälliger und manchmal peinlicher Einschränkungen des Sprechens unbefangen weiter zu kommunizieren, ist nicht jedem gegeben. Braucht es lange, um nach einem Begriff zu suchen, ist das Gespräch der anderen meist schon fortgeschritten. Konzentriert man sich beispielsweise auf das Essen, ist das Reden über kompliziertere Sachverhalte erschwert. Doppelaufgaben sind von Parkinson-Patienten einfach schwerer zu leisten. Ablenkungen und Zeitdruck können den Redefluss auch dann beeinträchtigen, wenn die Verlangsamung der Motorik "an sich" noch nicht so ausgeprägt ist. Kommt es dann auch noch zu Verständigungsproblemen, weil durch die eingeschränkte Mimik und Sprechmodulation nicht richtig ausgedrückt werden konnte, wie etwas gemeint war, schränkt auch der Tapferste seine Kommunikation auf das Nötigste ein.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen

Partnerschaft und Kinder

Bei einer Parkinson-Erkrankung ist immer auch die Familie mit betroffen. Oft ist es die veränderte Aufteilung der Rollen im Haushalt, manchmal leidet das Liebesleben und praktische immer müssen sich alle Beteiligten umstellen und an eine völlig veränderte Lebensituation anpassen. Wie vermeide ich also unnötiges Leid meiner Familienangehörigen? Mich interessiert:

UB 1: Meine Situation, allein oder mit Partner(in)

Typisch bei der Parkinson-Erkrankung ist die Scham vor dem Partner, vor anderen und sogar vor sich selbst. Die Beeinträchtigung der Attraktivität resultiert aus:

- den Veränderungen des Gangbildes,

- der Körperhaltung,

- dem Sprechen,

- der Feinmotorik,

- der Bewegungsabläufe im Allgemeinen,

- der geringeren Belastbarkeit sowie

- der größeren Anspannung bei allen Aufmerksamkeitsleistungen und manchmal auch aus

- den fast unkontrollierbaren vegetativen Symptomen.

Wenn auch die motorischen Beeinträchtigungen und der damit einhergehende Betreuungsaufwand einen Belastungsfaktor darstellen kann, so zeigen die Forschungsarbeiten eindeutig, dass es vor allem die nicht-motorischen Symptome wie die psychischen Beschwerden und Störungen wie z. B. Depressionen, Ängste, Impulskontrollstörungen, Halluzinatinen und Psychosen sowie die kognitiven Probleme sind (s. T4 - T7), welche die häusliche Situation schwer belasten. Hinzu kommen die psychosozialen Beeinträchtigungen (s. T1) und die Probleme der Kommunikation (s. T2), die dazu führen, dass wir es letztlich mit einer „erkrankten Familie“ zu tun haben.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 2: Die Situation der Partner

80% der Betroffenen sind nicht pflegebedürftig! Das heißt, dass lange Zeit ein fast normales Leben geführt werden kann – oder könnte. Allerdings gibt es verschiedene Einschränkungen, die mit der Zeit zunehmen und die Partner belasten können. Wie im vorigen Abschnitt UB 1 dieses Bereiches schon ausgeführt, liegen die Hauptquellen der Belastungen nicht so sehr in den Störungen der Beweglichkeit, sondern in psychischen Veränderungen und zwar vor allem an den Depressionen, der Apathie sowie den gelegentlich auftretenden psychotischen Zuständen und den recht häufigen kognitiven Einschränkungen. Diese treten jedoch nicht in jedem Fall auf und können mit psychologischen Maßnahmen für eine längere Zeit gut beherrscht oder kompensiert werden. Unter Umständen ist es sinnvoll, die psychologischen Vorgehensweisen zusätzlich mit Medikamenten zu unterstützen.

Ein großes Problem in diesem Zusammenhang, ist die so genannte "Rollenumkehr". Sie tritt auf, wenn ein Partner plötzlich Aufgaben und Funktionen übernimmt, die vormals vom Betroffenen erledigt wurden. Daraus erwächst für die Betreuenden - ganz allmählich - eine feste Rolle, die - so paradox es klingen mag - durchaus mit guten Gefühlen einhergehen kann. Das Gefühl des Gebrauchtwerdens, wichtig zu sein, Helfen zu können und etwas wirklich Wichtiges zu tun, können sehr starke Motive sein, die das Leben trotz aller Belastungen tragen.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 3: Die Sorgen der Kinder

Haben Sie ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber? Kinder merken so etwas und versuchen so zu tun, als bemerkten sie nichts. Vor allem aber kleinere Kinder fühlen sich oft schuldig. Dafür, dass der erkrankte Vater oder die Mutter traurig sind, dass es ihnen schlecht geht, dass andere eventuelle dumme Bemerkungen über den Vater/die Mutter machen und dann schämen sie sich oft mit, wenn die Symptome in der Öffentlichkeit allzu sehr auffallen. Neben der Scham leiden viele Kinder von Parkinson-Patienten unter Ängsten. "Stirbt man daran?" ist eine häufige Frage. Auch das Elternteil leiden zu sehen ist eine Quelle der Verängstigung. Ebenfalls irritierend ist, dass das erkrankte Elternteil nicht mehr die starke, schützende Rolle einnehmen kann.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 4: Meine Rolle in Familie und Partnerschaft

In einer Familie hat jeder seine Rolle, formell oder informell. Eine dauerhafte, also chronische Krankheit wirbelt alles durcheinander. Das betrifft nicht nur die durch die Krankheit unter Umständen bedingten Einschränkungen, sondern insbesondere das Bild, welches man von sich selbst hat. Damit einhergehen „Dissonanzprozesse“, also die Verabschiedung oder Umstellung wichtiger Lebensziele (s. T1, UB5 "Verlorene Lebensziele"), die wiederum Verzweiflung, Scham und Ärger nach sich ziehen. „Ich“... „der/diejenige, der/die den Laden geschmissen hat“... "bin nun der/die kleine Dumme ...“. Mit diesen realen Verlusten kommt auch die sozialen Rolle abhanden. Mindestens aber sind deutliche Veränderungen des sozialen Miteinanders die Folge, welche erhebliche Anpassungsleistungen erzwingen (s. T4, UB5 "Anpassungsstörungen mit Depression"). Weitere Stichworte sind zu diesem Komplex die Rollenumkehr, das schlechte Gewissen, die Sexualität und die finanzielle Situation sowie ein möglicherweise vorhandener Kinderwunsch.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen

Depression & depressionsähnliche Zustände

Depression ist nicht gleich Depression! Depressive Zustände reichen von den „klassischen“ Depressionen über depressive Anpassungsreaktionen und die parkinsonspezifischen Sonderformen bis hin zu depressionsähnlichen Syndromen wie der Apathie und der Chronischen Müdigkeit (Fatigue). Alle Formen zusammengenommen treten mindestens bei 60% der Parkinson-Patienten auf. Mich interessiert die:

UB 1: Die Majore Depression

Bei einer Majoren Depression handelt es sich um ein in Episoden auftretendes Syndrom schwer beeinträchtigter Stimmung, welches durch eindeutige körperliche, mentale, verhaltensbezogene und emotionale Kennzeichen charakterisiert ist. Die Episoden müssen mindestens zwei aufeinander folgende Wochen andauern. Die zugehörigen Symptome liegen fast jeden Tag und die meiste Zeit des Tages vor. Die Stimmung ist sehr viel schlechter ausgeprägt als früher und es gibt im Vergleich zu der Zeit davor kaum noch Dinge, die mit Freude und Befriedigung verbunden sind. Die Beeinträchtigung der Alltagsabläufe ist erheblich. Ebenso liegt ein immenser Leidensdruck vor.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 2: Die Anhaltende Depressive Störung

Dieser oft auch "Dysthymie" genannte Zustand ist dauerhafter und gleichmäßiger als eine Majore Depression. Die Dysthymie verläuft nicht so stark in Phasen bzw. "Episoden". Doch muss die depressive Verstimmung mindestens zwei Jahre lang an der Mehrheit der Tage jeweils für die meiste Zeit des Tages vorliegen. Ein beschwerdefreier Zeitraum darf nicht länger als höchstens zwei Monate anhalten. Ansonsten finden sich ähnlich wie bei der Majoren Depression (s. UB1 dieses Bereiches) ein großes Maß an Hoffnungslosigkeit, verminderter oder erhöhter Nahrungsaufnahme, ein entweder reduziertes oder stark erhöhtes Schlafbedürfnis, deutlich gemindertes Selbstwertgefühl sowie Energiemangel, Erschöpfung und Müdigkeit. Erhebliche Probleme der Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit sind ebenfalls typisch. Der Leidensdruck ist auch hier stark ausgeprägt. Außerdem sind die Alltagsabläufe unabhängig von den durch die Parkinson-Krankheit bedingten Einschränkungen deutlich erschwert.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 3: Die Subsyndromale, spezifische Depression

Die Subsyndromale, spezifische Depressive Störung wird auch „subklinische“ Depression genannt. Im Unterschied zur Majoren Depression (s. UB1) und der Dysthymen Störung (s. UB2) sind die genauen zeitlichen und/oder inhaltlichen Kriterien nicht im gleichen Maße erfüllt. Ansonsten ähnelt die subsyndromale, spezifische Depression jedoch dem Erscheinungsbild einer der beiden genannten Depressionsformen (deshalb "spezifisch").

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 4: Die Sekundäre Depression

Bei der "Sekundären Depressiven Störung" spiegelt sich der allmähliche Abbau bestimmter Nervenverbindungen auch in einem beeinträchtigten Gefühlsleben. Es kann wie eine Majore oder Anhaltende Depression aussehen, jedoch fehlt hier die für die beiden genannten Depressionsformen charakteristische global-negative Sicht auf die Welt, auf sich selbst sowie die Vergangenheit und Zukunft (s. die UB1 und UB2). Diese Form der Depression zeigt sich oft schon mehrere Jahre vor der klinischen Diagnose des Morbus Parkinson, ohne dass die emotionalen Veränderungen als Depression erkannt wurden. Sie äußern sich in einer für den Betroffenen an sich untypischen negativen Stimmung („schlechter Laune“), Reizbarkeit, Unruhe, im Rückzugsverhalten, allgemeinem Abwerten vieler Dinge, die anderen wichtig sind oder von Aktivitäten, die den Betroffenen früher selbst Freude und Befriedigung verschafft haben. Die Sekundäre Depression ist also der unmittelbare Ausdruck der Neurodegeneration, sie ist quasi das emotionale Spiegelbild der motorischen Symptome,

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 5: Die Anpassungsstörung mit Depression

Eine Anpassungsstörung ist eine über die normale Stressreaktion hinausgehende Antwort des Körpers auf ein belastendes Ereignis. Eine Anpassungsstörung kann u.a. "Mit Depression" oder "Mit Depression und Angst gemischt" auftreten und dauert im Regelfall 6 Monate an. Nach einem der beiden führenden Diagnosesysteme kann die depressive Anpassungsstörung bis zu zwei Jahre anhalten.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 6: Apathie

Bei der Apathie handelt es sich um eine Minderung des „Antriebs“ und damit der körpereigenen „Selbstregulation“. Der Zustand ähnelt zuweilen dem einer Depression, ist jedoch etwas völlig anderes. Bei einer Apathie können Sie sich nicht aufraffen, haben Sie es aber doch geschafft, können Sie durchaus Freude und Vergnügen empfinden. Das ist bei einer Depression nicht so.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 7: Fatigue

Bei der Fatigue handelt es sich um die subjektive empfundene Unmöglichkeit, einen Handlungswunsch auch in die Tat umzusetzen. Der Grund hierfür liegt in einer dauerhaften Müdigkeit. Sie verhindert Alltagshandlunen, obwohl der Antrieb an sich in Ordnung ist (s. UB6 in diesem Bereich). Sie ist nicht auf Beeinträchtigungen durch die motorischen Parkinson-Symptome oder vorherige Anstrengungen zurückzuführen.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen

Ängste

Ängste sind vielfältig. Sie reichen von klinisch bedeutsamen Angststörungen, über Anpassungsprobleme, die oft mit Ängsten einhergehen bis hin zu sehr umschriebenen Ängsten wie zum Beispiel der Angst vor dem Verlauf einer Krankheit ("Progredienzangst"), vor einer Demenz oder vor den möglichen Auswirkungen einer Tiefen Hirnstimulation. Ungefähr 26% aller Parkinson-Patienten weisen klinische relevante Angststörungen auf. Darunter fallen die Panikstörung, die Phobien und die Generalisierte Angststörung. Rechnet man die niederschwelligen Angststörungen hinzu, die noch nicht den Rang einer behandlungsbedürftigen, „klinischen Störung", also einer "psychischen Krankheit" erreichenden, ist der Prozentsatz der Betroffenen ungleich höher. In der Allgemeinbevölkerung treten diese Störungen im Laufe des Lebens dagegen nur mit etwa 2 - 13% auf.

Der Grund für das erhöhte Auftrten klinisch bedeutsamer Ängste beim Parkinson liegt in der Tatsache begründet, dass bei dieser Krankheit nicht nur der Dopaminhaushalt, sondern auch viele andere chemische Botenstoffe des Gehirns (z.B. Transmitter wie Serotonin, Noradrenalin etc.) in ein Ungleichgewicht geraten. Mich interessieren die:

UB 1: Die Panikstörung

Bei einer Panikstörung handelt es sich um Angstanfälle, deren Auftreten als wie aus heiterem Himmel kommend erlebt werden. Sie gehen mit Todesängsten und/oder mit dem Gefühl "nun langsam verrückt zu werden" oder "die Kontrolle zu verlieren" einher. Im Regelfall spürt man dabei vom Herzrasen über Atembeklemmungen, einem Druck auf der Brust bis hin zu Kribbelgefühlen an den Armen und Beinen eine Vielzahl körperlicher Symptome. Oft, aber nicht zwingend, tritt die Panikstörung zusammen mit einer "Platzangst" (Agoraphobie ) auf. Hierbei fürchten und vermeiden die Betroffenen Orte, von denen ein Entkommen nicht ohne weiteres möglich ist (z.B. Fahrstühle, weite Plätze, geschlossene Räume etc.). Die Vorstellung, dass ein Angstanfall in solchen Situationen auftritt, wird als besonders belastend erlebt. Deshalb werden derartige Orte und Situationen so gut es geht vermieden. Kennzeichnend ist eine erhebliche Angst davor, dass solche Anfälle erneut auftreten könnten (der "Angst-vor-der-Angst"). Deshalb werden üblicherweise eine Reihe von Vorsichtmaßnahmen ergriffen (z.B. nicht allein aus dem Haus gehen, Beruhigungsmittel horten etc.).

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 2: Die Generalisierte Angststörung

Auch diese Art der Angst kommt bei Parkinson-Patienten gehäuft vor. Es handelt sich um eine übermäßige Angst und Sorge nicht nur in Bezug auf die Erkrankung und ihren Verlauf, sondern auch bezüglich unterschiedlicher Ereignisse, die eintreten könnten, bezüglich des Wohlergehens nahe stehender Personen und natürlich auch der eigenen Zukunft. Diese Angst muss mindestens seit einem halben Jahr bestehen und in diesem Zeitraum an der Mehrzahl der Tage auftreten. Die Betroffenen leiden an dem Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Der Zustand ist mit Ruhelosigkeit, Ermüdbarkeit, Reizbarkeit, und Anspannungsgefühlen oder Schlafstörungen verbunden. Naturgemäß ist der Leidensdruck hoch und der Alltag über die Parkinsonsymptomatik hinaus stark beeinträchtigt.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 3: Die Soziale Angststörung (Soziale Phobie)

Bei der sozialen Angst oder "Soziale Phobie" handelt es sich um eine anhaltende Angst vor sozialen Situationen, die durch irgendeine Form von Leistung und/oder Bewertung gekennzeichnet sind. Die zu Grunde liegende Gefühle sind also Bewertungsangst oder Versagensangst un ddie damit verbundene Peinlichkeit. Wird man mit einer Situation konfrontiert, in welcher das Auftreten der genannten Gefühle befürchtet wird, entsteht intensive Angst. Neben dem Leidensdruck und den faktischen Alltagsbeeinträchtigungen ist das besonders Problematische auch an dieser Form der Angst die Tatsache, dass die Betroffenen praktisch immer versuchen, derartige Situationen zu vermeiden. Das lindert zwar kurzfristig den unangenehmen Zustand, allerdings werden die Ängste sehr schnell immer stärker und treten immer häufiger auf.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 4: Die umschriebenen Ängste (Phobien)

Umschriebene Ängste, auch „Spezifische Phobien“ genannt, äußern sich in anhaltenden und übertriebenen Angstzuständen vor bestimmten Gegebenheiten wie zum Beispiel Tieren (z.B. Hunde, Spinnen etc.), Umweltsituationen (z.B. Tunnel, Stürme, Höhen, Wasser), Blut (z.B. bei Verletzungen) oder Spritzen (bei div. Med. Maßnahmen). Ist eine Konfrontation unausweichlich, entsteht immense Angst, welche in keinem vernünftigen Verhältnis zum auslösenden Ereignis steht. Deshalb sind der Leidensdruck und meistens auch die Beeinträchtigung des Alltages enorm. Letzteres liegt daran, dass alle denkbaren Situationen, in denen diese Angst auftreten kann, möglichst vollständig gemieden werden.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 5: Die Soziale Unsicherheit

Viele Ängste äußern sich niederschwellig. Diese „subsyndromalen“ oder auch „subklinischen“ Ängste erfüllen zwar nicht exakt die sehr strengen Kriterien der Diagnosesysteme, die für eine Soziale Phobie gelten, können aber gleichwohl so stark ausgeprägt sein, dass sie die Alltagsabläufe merkbar stören und von daher Leidensruck nach sich ziehen. In solchen Fällen sollte überlegt werden, ob eine kurze, aber professionelle Hilfe angebracht ist. Das Stichwort hier ist „soziale Unsicherheit“ oder „Ängstlichkeit“.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen

Impulskontrollstörungen

Viele Dinge bereiten Freude und Vergnügen. Das gilt jedoch nur so lange, wie man das Geschen noch selbst steuern kann. Ist das nicht mehr der Fall, können sich bei extremen Zuständen behandlungsbedürftige psychische Störungen entwickeln. Dieses sind dann die verschiedenen Ausformungen der so genannten „Impulskontrollstörung“, oft abgekürzt als „IKS“. Dabei handelt es sich um gefürchtete Nebenwirkungen bestimmter Parkinsonmedikamente.

UB 1: Definition & Beschreibung

Bei „Impulskontrollstörungen“ handelt es sich um einen wiederkehrendes dranghaftes Verlangen, bestimmte Dinge zu tun, ohne dass man diesen „Impuls“ gut steuern kann. Die zwanghaft ausgeführten Handlungen stammen zumeist aus den Bereichen Sexualität, Spielen, Essen und Kaufen. Der jeweilige Impuls kann so stark, dass die Betroffenen ihm kaum widerstehen können. Man spricht dann auch vom “Pathologischen Spielen“ (dazu gehören u.a. Wett- und Glücksspiel), „obsessiver, zwanghafter Sexualität“, „Ess-Sucht“ und „Kaufsucht“. Diese Verhaltensweisen werden trotz der oftmals sehr schädlichen Konsequenzen weiter ausgeübt und führen oftmals zur Selbst- und Fremdgefährdung (z.B. durch eingeschleppte Infektionskrankheiten, die Aufnahme von Schulden u.ä.m.). Vor der problematischen Handlung wird fast immer eine eigentümliche Spannung oder Erregung verspürt, die sich durch die Ausführung der Impulshandlung zwar zurückbildet, im Anschluss jedoch regelhaft Reue, Schuldgefühle und Selbstvorwürfe nach sich zieht.

Gelegentlich wird auch das „Punding“ mit in diesen Bereich gerechnet. Hierbei handelt es sich um ein zielloses, stereotyp sich wiederholendes Verhalten. Es läuft weitgehend automatisch ab, ist weitgehend zweckfrei, bereitet im Grunde keinerlei Vergnügen und kann vom Betroffenen nur schwer wieder beendet werden. Letztlich beruht es auf der Enthemmung gelernter motorischer Programme. Inhaltlich zeigt es sich beispielsweise im nicht enden-wollenden Räumen, Kramen, Sortieren und Basteln. Dieses wiederum kann in den „exzessiven Hobbyismus“ übergehen, der jedoch durch Ruhelosigkeit und Anspannung, nicht durch spielerhafte Freude gekennzeichnet ist. Auch der „Walkabout“, also das ziel- und maßlos-ruhelose Umherwandern gehört in diese Kategorie.

Im weiteren Sinne wird gelegentlich auch das „Dopaminerge Dysregulations-Syndrom“ („DDS“) mit zu diesem Bereich problematischer Verhaltensweisen gerechnet. Hierbei handelt es sich um einen völlig aus der Kontrolle geratenen Gebrauch dopaminerger Medikamente, die vom Betroffenen je nach Situation und Stimmungslage selbständig herauf- und herab gesetzt werden. Dieses ist sehr gefährlich, sollte auf jeden Fall unterlassen und bei entsprechenden Verhaltenstendenzen sofort mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Wichtig für die Unterscheidung von gutartigen Steigerungen belohnungsbezogener, angenehmer Aktivitäten ist die „Beeinträchtigung“ der normalen Alltagsabläufe, der „Leidensdruck“ der Betroffenen und/oder ihrer Angehörigen und die „Steuerungsfähigkeit“ der Handlungen.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 2: Der Botenstoff Dopamin

Dopamin gehört zu den vielen Botenstoffen im Gehirn, welche die Übertragung elektrischer Impulse von einem Nerven auf die Kontaktstelle eines anderen Nerven ermöglichen. Es ist an vielen Aufgaben beteiligt, welche sich in drei große Gruppen psychischer Funktionen einteilen lassen: 1., zunächst ermöglicht es die situationsangepasste Organisation fein modulierter Bewegungen, 2., setzt es uns aber auch in die Lage, Freude und Glück zu empfinden und 3., ist es auch notwendig, um Lernvorgänge durchführen zu können. Daher wird klar, dass mit der Gabe eines dopaminergen Präparates nicht nur die hirneigenen Dopaminfunktionen unterstützt und dam die Bewegungsabläufe positiv beeinflusst werden, sondern sich das Medikament auch auf die Gefühle und das Lernen auswirkt.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 3: Gutartige Ausprägungen und Lernvorgänge

Wie im vorigen Abschnitt beschrieben, spielt das Dopamin eine wichtige Rolle für unsere Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen (s.o. UB2 "Der Botenstoff Dopamin"). Das ist eine wichtige Voraussetzung für das Lernen. Im Falle von Gesunden, nicht am Parkinson oder einer Sucht erkrankten Menschen, hilft es uns, den Zusammenhang zwischen unserem Verhalten und einer angenehmen Konsequenz, also eine Belohnung, zu festigen. Dafür brauchen wir die Nervenbahnen, die mit Dopamin arbeiten. In den Zielzellen der so genannten „Belohnungszentren“ wird das Gelernte anschließend gefestigt und gespeichert. Zu wenig aktives Dopamin verringert diese Bereitschaft. Dagegen führt eine zu große Verfügbarkeit dieses Botenstoffes dazu, dass suchtähnliche Verhaltensexzesse etabliert werden können.

Veränderungen des Lernverhaltens durch Dopamin lassen sich im Experiment nachweisen: Auch solche Parkinsonpatienten, die eine Dopaminersatztherapie erhalten, aber keine Impulskontrollstörung entwickelt haben, lernen schlechter als Gesunde, eine nicht erwünschte Reaktion zu unterlassen. Das ist sogar dann der Fall, wenn die unerwünschte Reaktion bestraft wird. Parkinson-Patienten mit einer Impulskontrollstörung lernen das Unterlassen einer unerwünschten Handlung nur äußerst langsam udn schlecht.

Daran zeigt sich, dass Dopamin ganz grundsätzlich die Fähigkeit vermindert, unerwünschte Reaktionen zu hemmen – sogar dann, wenn diese „bestraft“ werden, also negative Konsequenzen für den Betroffenen nach sich ziehen. Wir kennen das aus den Abhängigkeitserkrankungen mit legalen und illegalen Drogen. Beim Dopamin kann eine extreme Ausbildung dieses Zusammenhanges zu den Impulskontrollstörungen führen, die ja ebenfalls zu großem Leid für die Betroffenenen und ihren Angehörigen führen können.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 4: Psychologische Behandlung

Obwohl es sich bei den „Impulskontrollstörungen“ der Parkinson-Erkrankten um eine Medikamentennebenwirkung handelt, unterliegen Art und Ausmaß der Störung durchaus der Verhaltenskontrolle (s. die beiden vorherigen UB2 und UB3 dieses Bereiches). Der Zugang, über welchen sich auf diese Verhaltensfaktoren Einfluss nehmen lässt, erfolgt über die „Kognitive Verhaltenstherapie“ (KVT), das heute gängigste psychotherapeutische, stark auf konkrete Alltagssituationen und Lernvorgänge ausgerichtete Verfahren. Über dieses wird versucht, unter Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse, unter anderem zum Lernen, sehr konkret, zielorientiert und mit einem kurzen Zeitrahmen, die belastenden Symptome zu verändern. Zwar gibt es zu den parkinsonspezifischen Impulskontrollstörungen noch nicht viele veröffentlichte Arbeiten, die bislang vorliegenden Berichte zeigen jedoch ermutigende Ergebnisse.

Im Großen und Ganzen folgt das Vorgehen dem in der Verhaltenstherapie üblichen Methoden: Nach einer genauen Diagnostik und Abklärung der Motivation (wer leidet eigentlich, der Betroffene oder sein/ihr Angehörige/r?) wird zumeist ein genaues „Symptomtagebuch“ geführt. Darin werden Ort und Zeit des Auftretens der in Frage stehenden Verhaltensweisen registriert. Auch der innere Drang, das Verlangen, diese auszuüben, sowie die um diese Handlungen kreisenden Gedanken, müssen für eine effektive Behandlung registriert werden.

Als nächstes werden angenehme Aktivitäten gelistet (s. T1, UB1 "Rückgang der Aktivitäten"). Dabei ist zu unterscheiden, was früher gern, das heißt häufig getan wurde, und was heute – neben dem Problemverhalten - noch häufig, also gern ausgeübt wird. Die Identifikation solcher Verhaltensweisen, die zumindest früher Freude und Vergnügen bereitet haben, ist für das Verlernen des unerwünschten Verhaltens und für den Aufbau alternativer Reaktionsmuster essentiell. Es folgen ein „Systematischen Problemlösetraining“ (s. T1, UB5 "Verlorene Lebensziele"). Da die Impulskontrollstörungen oft mit klinisch bedeutsamen Ängsten und Depressionen einhergehen (s. T4 und T5), stehen diese psychischen Störungen als nächstes im Zentrum der Behandlung. Das schließt auch eine gezielte Analyse und Veränderung negativer Gedanken ein. Diese „kognitive“ Ebene der Psychotherapie wird dann mit sehr konkreten Verbesserungen der alltäglichen Verhaltensroutinen kombiniert und um Verfahren zur Vorbeugung und zum Management von Rückfällen ergänzt.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen

Kognition

„Nur nicht dement werden“! Hinter dieser Aussage steht DIE große Angst der Parkinson-Patienten. Doch leider wirkt sich die Parkinson-Krankheit auch auf bestimmte Hirnfunktionen aus, über die unsere geistige Leistunsfähigkeit verarbeitet wird.  Diese mentalen oder besser: „kognitiven“ Prozesse verändern sich häufig – ohne dass es sich dabei gleich um eine Demenz handeln muss! Bemerkt wird das klassischerweise an dem Problem, zwei Dinge gleichzeitig zu tun (z.B. Treppen zu steigen und gleichzeitig eine zu Unterhaltung führen), im schnellen Wechsel hintereinander Unterschiedliches zu tun, von einem Sachverhalt auf einen anderen Umzuschalten oder ganz generell, geistige Aufgaben unter Zeitdruck zu erledigen.

UB 1: Die Teilleistungsstörungen

Teilleistungsstörungen sind, wie es der Name schon sagt, sehr umschriebene Minderleistungen bestimmter kognitiver Fähigkeiten. Sie treten mehr oder weniger stark bei praktisch allen Parkinson-Patienten auf, können jedoch gut kompensiert werden. Hilfreich sind dabei so genannte "externale Hilfen". Findet man zum Beispiel einen Begriff nicht, hilft die Vorgabe des ersten Buchstabens, diesen zu äußern. Dieses Beispiel zeigt, dass das Gedächtnis zwar durchaus noch funktioniert, dass jedoch die notwendigen Suchwege hinein in die Gedächtnisspeicher aber langsamer arbeiten und leicht störbar sind. Dieses ist bei Zeitdruck, erzwungenen Mehrfachtätigkeiten und schnellen Aufgabenwechseln besonders problematisch. Teilleistungsstörungen zeigen sich gerade bei solchen Gedächtnisaufgaben, bei denen es um einen gezielten, bewussten Zugriff geht (dem so genannten „deklarativen Gedächtnis“) sowie bei vielen visuell-räumlichen Aufgaben, zahlreichen Aufmerksamkeitsleistungen und dem großen Bereich des "Planens und Handelns" von alltäglichen Aufgaben. Durch externale Steuerungshilfen beispielsweise über Hinweisreize oder andere Signale und Strukturierungshilfen können diese Minderleistungen jedoch so in Schach gehalten werden, dass sie sich auf die Alltagsabläufe nicht mehr oder nur unwesentlich störend auswirken. Die allgemeine Intelligenz ist dagegen nicht beeinträchtigt.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 2: Leichte Kognitive Beeinträchtigung / MCI

Die „Leichte Kognitive Beeinträchtigung“ wird meist gleichlautend mit der international üblichen Bezeichnung „Mild Cognitive Impairment“ (MCI) verwendet. Dabei handelt es sich um eine über die Teilleistungsstörungen hinausgehende kognitive Beeinträchtigung. Von einer „MCI“ wird üblicherweise gesprochen, wenn nach genauer testpsychologischer Untersuchung weniger als sieben Prozent der Vergleichsgruppe noch schlechtere Werte haben. Haben nur noch zwei Prozent schlechtere Werte, muss geklärt werden, ob die MCI in ein Demenzsyndrom übergegangen ist. Eine MCI gibt es in verschiedenen Varianten. Bei der Parkinson-Erkrankung liegt oft eine so genannte „nicht-amnestische“ MCI vor, bei welcher Aufmerksamkeitsstörungen und Probleme des „Planens und Handelns“, also der „Exekutivfunktionen“ im Vordergrund stehen. Wichtig ist darüber hinaus, dass sich die kognitiven Probleme parallel mit dem Parkinson-Syndrom entwickeln, nicht auf andere Ursachen (z.B. andere Hirnerkrankungen, Medikamente (!), Lebensumstände etc.) zurückführbar sind und dass „Bewusstseinsklarheit“ besteht. Auch kann der Alltag nach wie vor bewältigt werden, doch anders als bei den Teilleistungsstörungen sind die kognitiven Probleme nicht mehr ganz so leicht zu kompensieren. Die Alltagsfunktionen können also in geringem Ausmaß erschwert sein, jedoch liegt kein allgemeiner kognitiver Abbau vor. Damit handelt es sich definitiv nicht um ein dementielles Syndrom.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 3: Die Demenz beim Parkinson

Unter „Demenz“ versteht man heute ein Syndrom, welches sehr unterschiedliche Entstehungsgeschichten haben kann. Zum Beispiel kann sie „vom Alzheimer-Typ“ sein, als Folge einer HIV-Infektion oder eines Schädel-Hirn-Traumas auftreten oder eben als Folge der Parkinson-Erkrankung entstehen. Für eine Demenz beim Parkinson muss nachgewiesen werden, dass sie erst nach der klinischen Diagnose der Parkinson-Erkrankung aufgetreten ist und sich parallel mit ihr schleichend entwickelt, nicht auf andere Faktoren zurückgeführt werden kann (z.B. Medikamente, andere Ätiologien etc.), der kognitive Status allmählich immer schlechter wird und trotzdem “Bewusstseinsklarheit“ besteht. Ob es eine besondere Form der Parkinson-Demenz gibt, ist nicht ganz klar. Es deutet aber einiges darauf hin, dass die Aufmerksamkeits- und die für organisatorische Leistungen wichtigen Exekutivfunktionen („Planen und Handeln“) schon sehr früh überproportional stark beeinträchtigt sind, während dieses beispielsweise bei der Alzheimer-Demenz bei den Gedächtnisfunktionen der Fall ist. Auch scheinen äußere Reize („externale Cues“) in stärkerem Maße als bei anderen Demenzen förderlich zu wirken.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen

Tiefe Hirnstimulation

„Operieren im Hirn?“ das ist für Viele eine Schreckensvorstellung. Und doch handelt es sich bei der Tiefen Hirnstimulation (THS, egnl. DBS) um eine inzwischen bewährte und sehr risikoarme Methode, die sogar bei einigen psychischen Störungen eingesetzt wird. Da diese Beratungsplattform jedoch psychologisch ausgerichtet ist, wird hier nicht auf die medizinischen Zusammenhänge eingegangen. Das entsprechende Wissen entwickelt sich ständig weiter und kann verlässlich nur von Ihrem behandelnden Arzt weitergegeben werden. Hier werden Ihnen neben einigen grundlegenden Informationen vor allem Hinweise für die emotionale, kognitive und Verhaltensebene gegeben.

UB 1: Die Operation

Bei der Tiefen Hirnstimulation (THS) handelt es sich um einen Eingriff im Gehirn, bei welchem kein Gewebe zerstört, sondern millimetergenau Mikroelektroden in die für die Bewegungssteuerung wichtigen neuronalen Schaltstellen eingebracht werden. Wenn das - sehr häufig – unter örtlicher Betäubung geschieht (das Gehirn selbst ist schmerzfrei), kann mit dem Patienten zusammen der beste Ort dieser Implantation ausfindig gemacht werden. Als nächstes wird unter Vollnarkose das Kabel eines Stimulators unter die Haut eingesetzt. Meistens erfolgt das auf der Höhe des Schlüsselbeins oder am Bauch. In den Tagen danach wird der Stimulator so programmiert, dass die elektrischen Impulse die bestmögliche Beweglichkeit hervorbringen. Das gelingt erstaunlich gut. Im Grunde wird mit den künstlich angesetzten Stromimpulsen die elektrische Aktivität des gesunden Gehirns wiederhergestellt. Sie wirken genau an den Schaltstellen in der Tiefe des Gehirns, über welche die für die Beweglichkeit zuständigen Regelkreise organisiert sind. Dadurch kann diese Methode sehr viel zielgenauer als ein Medikament ansetzen. Diese entfallen nach einer solchen Operation allerdings nicht, sonder müssen (meist in geringerer Dosis), angepasst werden. Um die Effekte der Operation zu überprüfen, kann der Stimulator ein- und ausgeschaltet werden. Auf diese Weise lassen sich auch die Parkinsonsymptome kurzfristig an- und ausschalten. Sollte die Operation einmal nicht wunschgemäß verlaufen, können die Stimulationselektroden wieder entfernen werden, ohne dass eine Schädigung des Gehirns die Folge ist.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 2: Mögliche kognitive Folgen

Kognitive Nebenwirkungen können auftreten, sind zumeist aber nur minder schwer und oft vorüber gehend. So findet man häufig leichte Sprechstörungen (sog. “Dysarthrien“ oder „Hypophonien“). Ob auch Störungen im Bereich des „Planens und Handelns“ (s. UB7 "Kognition") auftreten können, ist derzeit nicht abschließend geklärt. Gesichert ist jedoch eine geringe bis moderate Abnahme der Wortflüssigkeit. Wird man in einem standardisierten Test beispielsweise gebeten, innerhalb einer Minute so viele Begriffe einer Kategorie wie möglich zu nennen, dann ergeben sich systematisch feststellbare Minderleistungen. Diese haben sich für die Alltagsabläufe aber als nicht bedeutsam herausgestellt.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen
UB 3: Mögliche emotionale Folgen

Operative Eingriffe im Gehirn sind oft mit großen Befürchtungen verbunden. Doch muss niemand sich davor ängstigen, dass er/sie durch diese Maßnahme ein ganz anderer Mensch wird, sich also die Persönlichkeit verändert. Viel eher können die trotz aller guten Aufklärung entstanden Hoffnungen enttäuscht werden. Auch ergeben sich manchmal gerade wegen der guten Besserung der Beweglichkeit zwischenmenschliche Anpassungsnotwendigkeiten. Diese können sich durchaus ungünstig auf die genaue Einstellung des Stimulators auswirken. Der Grund liegt darin, dass sich nicht nur die Betroffenen, sondern vor allem auch ihr Umfeld auf die Parkinson-Erkrankung und die damit einhergehenden Einschränkungen eingestellt haben. Diese Lernerfahrungen sind nach der zumeist sehr erfolgreichen Operation nicht mehr gültig und die Betroffenen und ihre Angehörigen müssen eine erneute Rollenumkehr mit neuen Wünschen nach Teilhabe, verschiedensten Aktivität und auch Sexualität leisten.

Klicken Sie auf den grünen Balken mit den "Weiterführenden Informationen", wenn Sie mehr wissen möchten.

Das könnte auf mich zutreffen